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Von Farbe nach Schwarzweiß

Umwandeln von Farb- in Schwarzweißbilder

Die meisten Bilder sind in Schwarzweiß viel interessanter, ist meine Meinung. :-) Farbe beantwortet Fragen, die man sich zu dem Bild macht, viel zu schnell. Beim schwarzweißen Bild gibt sich jeder selbst die Antworten, das ist viel spannender. Damit die Umwandlung in ein schwarzweißes Bild gut klappt, ist im Bildbearbeitungsprogramm der Kanalmixer die erste Wahl. Der sieht eigentlich immer ziemlich gleich aus. Hier ist zum Beispiel der von Photoshop, der in Gimp ist ähnlich:

Der Kanalmixer

In der Regel besteht ein Bild aus den drei Farben der Kanäle Rot, Grün und Blau. Diese drei Kanäle kann ich gezielt verstärken oder abschwächen. Aktiviere ich nun unten links mit einem Häkchen Monochrom, erfolgt die Ausgabe in einen Graustufenkanal. Das bedeutet ganz schlicht: Habe ich ein Bild mit blauem Himmel und drehe am blauen Kanal, beeinflusse ich die Helligkeit des Grauwertes bei diesem Himmel. Gebe ich Blau zu, gewinnt der blaue Himmel an Helligkeit. Das ist meistens aber nicht gewollt, weil ein dunkler Himmel mit weißen Wolken viel schöner und interessanter ist. Zudem treten dann die weißen Wolken überhaupt erst hervor. Um das besser einschätzen zu können, muss ich noch ein wenig über Komplementärfarben wissen. Dafür hilft mir der Farbkreis:

Der Farbkreis

Gebe ich Blau zu, drehe ich den Regler nach rechts, wird Blau heller, das gegenüber, also komplementär liegende Gelb, dunkler und umgekehrt. Deshalb schrauben viele Schwarzweißfotografen einen Gelbfilter vor ihr Objektiv, wenn sie den Himmel abdunkeln wollen.

Der Rest erklärt sich mit den Beispielbildern von selbst. Achten Sie auf die Originalfarben und auf die Grauwerte, die der Filter daraus macht.

Beispiel Blumen:

Die Tulpen in Farbe.

Der Orangefilter hebt die Helligkeit der roten Tulpen an.

Heller als mit dem Rotfilter werden die Tulpen nicht wiedergegeben. Dabei stellt sich die Frage, welcher Grauwert dem kräftigen Rot am nächsten kommt. Rotfilter oder Blaufilter trennen die Tulpen am besten.

Mit dem Gelbfilter dominieren naturgemäß die gelben Blumen. Die roten Tulpen gehen etwas unter. Damit gibt das Bild nicht den Eindruck der kräftig roten Tulpen angemessen wieder.


Der Grünfilter sorgt für eine gute Trennung der dominanten Farben. Zudem kommt das Grün nicht so dunkel, die roten Tulpen wirken durch ihre dunklen Grauwerte dennoch kräftig und entsprechen dem Helligkeitseindruck von Rot.

Mit dem Blaufilter kommen die roten Tulpen am dunkelsten, siehe Farbkreis.




Beispiel Portrait:

Michael in Farbe.

Der Orangefilter schmeichelt der Haut sehr, Unreinheiten verschwinden. Allerdings könnte die Haut etwas leblos wirken. Der Orangefilter ist trotzdem mein Favorit, wenn es um Haut geht.

Der Rotfilter glättet die Haut am meisten. Das ist nochmal eine Steigerung zu Orange. Akne und dergleichen verschwindet ziemlich, allerdings auch Sommersprossen!

Der Gelbfilter ist ein guter Kompromiss.

Mit Grünfilter. Im Grünkanal sind die meisten Schärfeinformationen. Sollen Haare oder Wimpern betont werden, ist Grün ideal.

Der Blaufilter betont im Gegensatz zum Rotfilter Hautunregelmäßigkeiten. Aber es verleiht der Haut auch einen schönen dunklen Ton, ähnlich einer Sonnenbräune.





Beispiel Landschaft mit Himmel:



Die Kampenwand in Farbe.



Mit dem Orangefilter bekommt man eine gute Durchzeichnung in den Wolken bei blauem Himmel.

Der Rotfilter dunkelt den Himmel noch einmal ab. Das ergibt gerne dramatische Lichtstimmungen. Aber er dämpft auch Grün und ist in diesem Fall wegen der grünen Bäume nicht ideal.

Der Gelbfilter ist schon fast der Klassiker für Landschaft. Der Himmel ist angenehm dunkel, das Grün leuchtet.

Der Grünfilter betont die unterschiedlichen Grautöne in Bäumen und Wiese sehr gut.

Der Blaufilter hellt den Himmel auf, verstärkt aber Dunst und Nebel.





Eine Orientierungshilfe sind die gebräuchlichsten Schwarzweißfilter-Werte im Kanalmixer


Orangefilter

Rotfilter

Gelbfilter

Grünfilter

Blaufilter

Rotwert

78

75

30

10

10

Grünwert

22

0

60

60

10

Blauwert

0

25

10

30

80


Damit keine Lichter ausfressen, sollte die Summe 100 Prozent nicht überschreiten. Ein Blick ins Histogramm hilft. Das sind jedoch keine in Stein gemeißelten Werte, Photoshop hat beispielsweise derzeit andere Zahlen in den Voreinstellungen. Überlegen Sie sich einfach, welche Farbe in den dunklen oder hellen Grauwerten dargestellt werden soll. Ein Blick in den Farbkreis hilft, die Beziehung zueinander zu verstehen.

Wie geht’s weiter, was sind die Alternativen? Jetzt geht es etwas mehr in die Tiefe. Es gibt noch eine naheliegende, aber schlechte Methode, in Gimp und anderen Bildbearbeitungsprogrammen diese Umwandlung durchzuführen: Das RGB- in ein Graustufenbild umwandeln. Technisch bedeutet das den Verzicht zweier Farbkanäle bei reduzierter Dateigröße. Bei dieser Gelegenheit: was ist übrigens ein Schwarzweißbild und was ein Graustufenbild? Ein Schwarzweißbild besteht genau genommen nur aus schwarzen Punkten auf üblicherweise weißem Papier. Ein Raster bildet Zwischenwerte. Das sehen Sie mit der Lupe in fast allem, was gedruckt wird; angefangen von der Tageszeitung bis zum Buch. Bei Graustufenbildern hat man es tatsächlich mit grauen Farben zu tun. Schaut man sich ein Bild aus der Dunkelkammer, dem Fotodrucker oder aus einem hochwertigen Buch an, kann letztlich beides, Graustufen und Schwarzweiß, sehr schön sein. Wir haben es am Computer mit Graustufenbildern zu tun, die in der Regel bei einer Farbtiefe von acht Bit aus 256 Helligkeitsstufen von Schwarz bis Weiß bestehen. Wir sehen diese Begriffe aber nicht so eng und nennen ein Graustufenbild auch gerne Schwarzweißbild. Also zurück zum Bild. Würde man alle drei Farbkanäle gleich gewichten und zusammenfassen, käme so ein Bild heraus:




Ein RGB- und ein Graustufenbild vermitteln einen völlig anderen Eindruck. Das farblose Bild ist kein Hingucker mehr.


Zunächst einmal käme kein Mensch darauf, dieses schwarzweiße Bild dem farbigen gegenüber zu bevorzugen. Warum? Im Farbbild leuchtet der Raps in Gelbtönen und bildet einen schönen Kontrast zum grünen Hintergrund und den Stengeln. Das schwarzweiße ist bei aller Liebe nur eine graue Suppe, die auch nicht den Hauch der Wirkung des Farbbildes vermittelt. Was ist geschehen? Rein rechnerisch sind diese Töne jetzt gleichberechtigt. Übrigens erhalten Sie dasselbe Ergebnis, wenn Sie in Farben/Farbton/Sättigung die Sättigung ganz nach links schieben. In der Anfangszeit der Fotografie hatte man ein ähnliches Problem. Denn die schwarzweißen Filme waren überaus blauempfindlich. Eine gewisse Überempfindlichkeit für diese Farbe ist bis heute geblieben. Das bedeutet für einen blauen Himmel mit weißen Wolken, dass das Blau oft genauso hell wiedergegeben wird wie die Wolken. Letztere sind manchmal kaum oder gar nicht auszumachen. Da muss man „gegenfiltern“. Für diesen Zusammenhang müssen wir jetzt noch weiter ausholen. Dazu werfen wir einen Blick auf unseren Farbkreis. In dem gilt, dass sich gleiche Farben mit einem Filter verstärken, also heller werden, gegenüberliegende schwächen sich ab. Beispiel Rot und Blaugrün, Gelb und Blau, Grün und Magenta.

Im Farbkreis ist von wenigen Farben die Rede, ein RGB-Bild kann hingegen mit seinen drei mal acht Bit Farbtiefe über 16 Millionen verschiedene Farben darstellen. So viele benötigen wir für unsere Manipulationen nicht, denn bei einem blauen Himmel reicht uns schlicht Blau. Dieses Blau können wir verstärken, indem wir einen Filter vor das Objektiv schrauben, der blau eingefärbt ist. Der lässt blaues Licht bevorzugt durch und sperrt je nach seiner Intensität genau das, was im Farbkreis gegenüber liegt, das wäre dann Gelb. Blau kommt also hell und Gelb wird dunkel. Beim Himmel wünschen wir es uns aber genau andersherum. Also nehmen wir einen Gelbfilter, der macht Blau dunkel. Weil die Wolken weiß sind, bleiben sie unverändert und heben sich fortan gut vom blauen Himmel ab. Im Himmel gibt es mehrere Schattierungen, ein eindeutiges Blau gibt es nicht. Deshalb kann die Wirkung eines solchen Filters je nach Tageszeit anders ausfallen. Morgens und Abends ist der Rotanteil im Tageslicht am höchsten. Allgemein kann man sagen, dass Gelb den Himmel gut betont, Orange den Effekt noch verstärkt und Rot aus Blau fast Schwarz macht und damit schon eine Gewitterstimmung produziert. Wohlgemerkt, diesen Effekt kann man entspannt nur in einem Graustufenbild betrachten, bei einem Farbbild sieht man das auch, aber die Filterfarbe dominiert derart, dass man von einem Farbstich spricht, den man als sehr störend empfindet.

Welcher Filter tut was?

Welche Filterfarben gibt es noch? Ein Grünfilter produziert der Logik nach helleres Grün. Das ist sehr gut, wenn man unterschiedliche Grüntöne hat, beispielsweise im Wald und auf der Wiese, die werden dabei besser getrennt und allgemein auch heller und damit gefälliger dargestellt. Ein Blaufilter verstärkt Dunst und macht Hauttöne dunkler. Ein Rot- oder Orangefilter sorgt für hellere Haut, weil darin viele Rottöne sind. Man kann damit Sommersprossen unsichtbar machen, die gehen im restlichen Rot einfach auf. Genauso wie Hautunreinheiten. Ein Rotfilter hilft dabei sehr, macht andererseits etwas blass. Das war's bereits mit den Farben für den Schwarzweiß-Einsatz. Damit das dann aber doch nicht zu einfach wird, gibt es diese Filter in verschiedenen Stärken. Beispielsweise helles Gelb über Mittel bis Dunkel. Diese Filter sind allerdings nicht zu verwechseln mit den sogenannten Konversionsfiltern, die auch für die Fotografie eingesetzt werden können. Die sind mehr oder weniger bläulich oder rötlich eingefärbt und passen die Farbtemperatur an. Das wird erforderlich, wenn man bei Glühlampenlicht oder im Gebirge fotografiert. Ersteres hat einen erhöhten Rotanteil, letzteres sehr viel Blau. Bei Diafilm hat man keine Chance, da wird abgebildet, was vorhanden ist. Bei Farbnegativfilm kann man im Labor in Grenzen gegensteuern, und bei digitalen Kameras erledigt das der Weißabgleich oft schon automatisch. Solche Filterbezeichnungen beginnen in der Regel mit einem K für Korrektur gefolgt von einem B für blaue und einem Rfür rote Einfärbungen. Bei der Firma Kodak herrschen schwer zu merkende, willkürliche Wratten-Werte des gleichnamigen Erfinders vor. Alle diese Filter gibt es auch in unterschiedlichen Intensitäten.

Dieses Spiel mit den Farben kann man sehr gut auf die digitale Technik übertragen. Es ist dabei sogar wesentlich bequemer, denn Sie brauchen sich keinen Filter zu kaufen und die Kamera auch nicht in den Schwarzweiß-Modus zu versetzen. Im Gegenteil, das entspräche keiner zeitgemäßen Arbeitsweise. Denn die heißt, so viele Informationen wie möglich aufzunehmen und so zu verändern, dass man später stets auf das Original zurückgreifen kann, da so gut wie jede Manipulation Informationsverlust bedeutet. Im Graustufenmodus verschenken Sie somit wertvolle Farbinformationen, die wir in der Bildbearbeitung für die Gestaltung unserer virtuellen Filter benötigen. Denn sämtliche Filter bilden wir in Gimp, oder wie immer unsere Bildbearbeitung heißt, nach. Es muss auch keine digitale Kamera sein. Bilder von eingescannten Filmen liegen auch in einer RGB-Datei vor, es sei denn, wir verwenden tatsächlich einen Schwarzweißfilm in der analogen Kamera, haben bei den Aufnahmen den passenden Filter davor geschraubt und scannen den Film ein. Dann können wir bei diesem Arbeitsgang auch gerne den Graustufenmodus verwenden, aber dann bitte mit 16 Bit, damit es bei einer Tonwertangleichung keine Abrisse gibt, die sich in einem lückenhaften Histogramm und damit abgehackten Übergängen ausdrücken.

In Grün liegt die Schärfe

Weil man so gut wie jede Farbe mit einer Kombination der drei Farbkanäle erzeugen kann, ist auch die Wirkung eines solchen Filters leicht nachzubilden. Jeder dieser Filter kann also im Nachhinein angewandt werden. Um sich einen Überblick zu verschaffen, kann man die Kanäle des Bildes zunächst einzeln betrachten. Das geschieht im Karteikartenreiter Kanäle, dort schalten Sie die Anzeige mit einem Klick auf das Augensymbol an und aus. Schalten Sie zuerst alle aus, dann jeweils einzeln für sich wieder an. Bei unserem Raps-Bild hat das den Effekt, dass im Rotkanal schon eine ordentliche Helligkeit vorherrscht, man kann bis auf die Farbinformation alles gut erkennen. Der Rotkanal beherbergt den größten Kontrast, dessen Umfang ist hier am besten zu sehen. Schauen Sie einmal den Inhalt des Rotkanals auf Hautunreinheiten an, die sind so gut wie weg, Dunst wird auch gemildert. Der Grünkanal zeigt erwartungsgemäß auch eine gute Helligkeitsverteilung, kein Wunder bei so viel Grün in diesem Bild. Allgemein beherbergt der Grünkanal die meisten Details, für die Beurteilung der Schärfe ist das ideal. Im Blaukanal sieht es bei diesem Motiv sehr dunkel aus, weil das Bild kaum blaue Anteile hat. Allgemein wird in diesem Kanal die Haut recht dunkel, das kann von Vorteil sein. Andererseits verstärken sich Hautunreinheiten und überhaupt nebelige Stimmungen. Mit ein wenig Übung ignoriert man die kräftige, farbige Darstellung in der Kanälepalette und achtet nur noch auf die Schwarz- und Grauwerte. Achten Sie bei späteren Bearbeitungen darauf, dass in dieser Kanälepalette alle drei Farben wieder markiert sind, sonst haben Modifikationen keine Wirkung.

Mit welchem Werkzeug kann man nun die Kanäle einzeln regulieren? Das Werkzeug der Wahl heißt Kanalmixer, zu finden in Farben/Komponenten. Übrigens beziehen sich alle Menüangaben auf Gimp 2.4. In dieser Version wurde einiges umgeschichtet. In Version 2.2 war das Menü Farbe unter Ebene angesiedelt.

Welcher Filter taugt wofür?

Man könnte natürlich endlos an den Schiebereglern schieben, aber als Anhaltswert taugen sehr gut die gebräuchlichen Schwarzweiß-Filter. Welche Wirkung ist wofür? Die Filterwerte sind nicht streng vorgegeben, sondern es sind nur Ansatzwerte, wie es auch leichtere und kräftigere Filter-Ausführungen gibt. Übrigens stellen beim Umwandeln in den Graustufenmodus die wenigsten Bildbearbeitungsprogramme jeden Regler stur auf 33,3 Prozent, sondern es kommt zuweilen eine gefälligere Umwandlung zum Einsatz. In Gimp 2.4 sind es 21, 72 und 7 Prozent, in Gimp 2.2 waren es noch 30, 59 und 11 Prozent. Auch Photoshop operiert mit angepassten Werten.

Bleiben wir bei unserem Rapsfeld. Um das leuchtende Gelb zu erhalten, sollte es hell wiedergegeben werden. Bei Gelb bietet sich deshalb ein Gelbfilter an. Damit ist die Wahl klar. Im Kanalmixer werden wir uns einen Gelbfilter zusammenstellen. Allgemeines zum Kanalmixer: Wichtig ist die aktivierte Vorschau, damit wir sofort die Wirkung betrachten können. Der Ausgabekanal, dort hinein werden die eingestellten Werte hineingerechnet, interessiert uns nicht, denn es wird ein Graustufenkanal daraus, wenn wir ein Häkchen bei Monochrom platzieren. Die drei Regler geben die Prozentwerte wieder. Um keine beschnittenen Tonwerte zu erhalten, sollte man die Gesamtprozentzahl im Auge behalten. Auf der sicheren Seite ist man, wenn die Summe aller drei Regler 100 Prozent nicht überschreitet. Je nach Farbanteil kann eine Steigerung auf mehr als 100 Prozent durchaus eine ansprechende Wirkung erzielen, wenn sich das Motiv innerhalb des Kontrastumfangs befindet. Auskunft darüber gibt wie immer zuverlässig das Histogramm. Dabei hilft einem das Kästchen Leuchtstärke erhalten, damit sollte die Gesamthelligkeit nicht über das Ziel hinausschießen. Das Ergebnis schaut damit schon recht gut aus. Aber erinnern wir uns: in Blau war so gut wie nichts los, diese zehn Prozent könnten wir Rot zuschlagen, dann leuchtet es noch mehr. In der Vorschau könnte man in Details sehen, ob noch Zeichnung vorhanden ist oder nicht, wenn wir den Wert noch mehr erhöhen. Übrigens kann man einmal gefundene Filterwerte als eigene Vorgaben abspeichern. Halten wir das Raps-Bild gegen das Histogramm, sehen wir, dass die Lichter schon gefährlich nahe an den rechten Rand geraten sind. Hier brauchen wir nichts mehr zu verstärken. Nun sieht das Bild im Vergleich zu vorher ganz anders aus, das Gelb leuchtet im angemessenen Kontrast zum Rest. Man könnte noch etwas spielen und Grün zurücknehmen, damit das noch dunkler würde, aber das ist reine Geschmackssache.

Dieses Anpassen und Ausprobieren im Nachhinein ist der größte Vorteil der digitalen Technik. Denn zuvor hatte man das Bild mit einem Filter oder ein zweites vielleicht auch noch mit einem anderen Filter gemacht und war damit festgelegt für alle Zeit. Nur in der Dunkelkammer konnte man noch Bereiche verstärken oder zurückhalten.


Das Rapsfeld durch einen Gelbfilter betrachtet hat gerade noch Zeichnung in den Blüten. Das Histogramm zeigt die Grenzen auf. Durch den extremen Wert in den Lichtern kommt das Leuchten zustande.

Im nächsten Beispielbild ist die Farbverteilung etwas vielseitiger: Blauer Himmel und Wasser, in dem sich viel Grün von Bäumen und Sträuchern spiegelt.


Was ist hier bei einer Umwandlung in Graustufen zu tun? Das Grün der Sträucher verlangt nach Differenzierung, und das Blau des Himmels möchte dunkler werden, um die Wolken besser zur Geltung kommen zu lassen.


Grundsätzlich würde man hier einen Gelb-, einen Grün- oder gleich einen Gelbgrünfilter favorisieren. Entfernen Sie Leuchtstärke erhalten, und spielen Sie mit Rot. Der Regler tut dem Himmel bei einem Wert um 50 Prozent gut, die Wolken werden deutlicher. Grün ist für die Blätter ideal, macht sie heller. Damit kommen sie aus dem grauen dunklen Brei heraus. Dieses Vermischen der Töne ist immer die Gefahr bei einer Umwandlung. Schließlich will man ja eine Differenzierung der Töne, die einem wichtig sind. Auf Blau können wir abermals verzichten, denn der schöne blaue Himmel soll ja dunkler werden. Glücklicherweise sind auch negative Werte möglich. Wir versuchen einmal ein Extrem mit negativen 100 Prozent Blau und füllen Grün und Rot bis auf insgesamt 100 positive Prozent auf. Leuchtstärke erhalten ist dabei stets eine Hilfe, unterdrückt aber heftige Ausrutscher, die für ein Verständnis der Zusammenhänge gut wären. Unser Bild kommt mit den Prozentwerten 90, 170, -160, jeweils R, G und B am besten.




Schon fast unwirklich kommt diese Filtereinstellung mit 90, 170, -160. Das Himmelblau ist mit dem negativen Blauwert unterdrückt und wirkt dunkel, das Grün mit den weit überhöhten 170 Prozent leuchtet schon fast wie auf einem Infrarotfilm.


Man kann also leicht über das Ziel hinausschießen, denn so sehr leuchten Sträucher auch wieder nicht. Zumal bei solchen extremen Werten auch manche Bereiche durch die Unterdrückung einiger Farbtöne eigenartig wirken können. Da ist oft eine gewisse Vorsicht angebracht. Aber wozu gibt es Bearbeiten/Rückgängig? Eine ausgeglichene Wirkung ergibt in diesem Fall 40, 90, -30 Prozent. Richtig, das sind mehr als 100 Prozent, schaut aber trotzdem gut aus und bleibt, wie ein Blick ins Histogramm zeigt, im Rahmen. Eine Kleinigkeit bleibt noch, denn eine Stelle im rechten Bereich der hinteren Bäume war etwas zu dunkel. Dort haben wir mit Hilfe der Ebenentechnik aufgehellt. Mit dieser Methode sind Veränderungen jederzeit rückgängig zu machen. Das geht so: Im Ebenendialog die Ebene duplizieren und die betreffende Stelle in der Helligkeit, am besten mit der Gradationskurve, anheben. Der Rest des Bildes bleibt dabei völlig außer Acht, auch wenn manche Teile viel zu extrem dargestellt werden. Dann fügen Sie eine schwarze Ebenenmaske hinzu. Damit erhält das Bild seine alte Helligkeit wieder. Nun mit weißer Farbe den zu korrigierenden Bereich mit einem ausreichend großen Pinsel mit weichem Rand freimalen. Übrigens, ist das neue Skalieren des Pinsels in den Werkzeugeinstellungen von Gimp 2.4 ein Segen, endlich entfällt die dauernde Pinselwechslerei. Schießt man bei dieser partiellen Veränderung übers Ziel hinaus, ist es egal, denn ein Druck auf die Taste x, eXchange wechselt die Vorder- mit der Hintergrundfarbe, die Schwarz und Weiß sein sollte. Ist es das nicht? Da stellt man mit der Taste d für Default die Grundfarben für Vorder- und Hintergrund wieder her. Malen Sie mit Schwarz, bekommen Sie die alte Helligkeit wieder und verschenken nichts, weil nur die Maske zwischen einer helleren und dunkleren Version bemalt wird. Man kann sogar die Deckkraft ändern und damit die Intensität oder gleich global mit dem Deckkraftregler der gesamten Ebene. Feinere Korrekturen sind damit leicht möglich.





So soll es sein: Grüntöne wurden angehoben und differenziert, Wolken und Himmel sind getrennt, und die Schatten erfuhren eine leichte Aufhellung.




Von links oben nach unten rechts: Das farbige Original, Sättigung entfernt, Blaufilter und zum Schluss Orangefilter.


Als Nächstes nehmen wir uns nach dem selben Muster Hauttöne vor. Beim farbigen Original oben links fällt die leicht ungleichmäßige Bräune auf, die Arme sind naturgemäß gebräunter. Beim Bild rechts davon wurde die Sättigung entfernt, das sieht so schlecht nicht aus, nur ist es etwas dunkel, was aber durch den Gebrauch der Gradationskurve behoben werden könnte. Nummer drei hat einen Blaufilter mit den Werten 10, 10, 80 erhalten. Erwartungsgemäß wurde die Haut noch dunkler, die unterschiedliche Intensität der Bräunung blieb. Rechts unten ist die Wirkung des Orangefilters zu sehen, der nicht nur das Bild in passender Helligkeit wiedergibt, sondern auch den Hauttönen ausgleichend gut tut. Zum Abschluss noch ein Wolkenbild:



Das Motiv verlangt eindeutig nach Schwarzweiß. :-)

Das Kornfeld sieht zwar auch so übersichtlich aus, die Wirkung lässt sich durch eine Umwandlung nach Schwarzweiß noch steigern. Wahrscheinlich denken viele Menschen beim Betrachten dieses Bildes eher an helle, sonnengereifte, gelbe Gerste. Die hier ist aber grün. Kein Problem für Schwarzweiß. Das Grün soll heller kommen, also verstärken wir es. Das Blau soll dunkler werden, dessen Komplementärfarbe ist Gelb, demnach bietet sich ein Gelbgrünfilter an. Den kann man noch steigern, indem Blau im Kanalmixer mit einem negativen Wert reduziert wird. Vorsichtig müssen wir mit der Wolke sein, damit darin noch Zeichnung zu finden ist. Denn ein reiner weißer Fleck entspricht nicht der Realität. Sollte die Abstimmung im Kanalmixer keinen hundertprozentigen Treffer in der Bildwirkung geben, bleibt noch das Aufhellen und Nachbelichten einzelner Bildbereiche.


Die Gerste mit einem Gelbfilter in Graustufen umgewandelt und durch die Gradationskurve in den Lichtern etwas aufgehellt.

Leuchtende Gerste, aber etwas unwirkliche Stimmung ergibt ein negativer Blauwert.


Blau im Kanalmixer zugunsten von Grün reduziert: 80, 80, -60. Auch hier befindet sich die Wolke mit Hilfe der Gradationskurve und des Histogramms an der Grenze der darstellbaren Helligkeit.


Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Beispielen etwas Lust auf Schwarzweiß gemacht habe. Viel Spaß!

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Karlheinz Günster
2012-11-04
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