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Wasserburg Kirche St. Jakob

Wasserburg – Wer benutzt in der Wasserburger Pfarrkirche St. Jakob denn diese Türe? Man darf schon etwas genauer hinschauen, mitten in der Wand und ziemlich hoch liegt sie. Nicht jedem fällt sie gleich auf. Etwa im unteren Drittel des gewaltigen Dachs rechter Hand vom Eingangsportal haben die damaligen Maurer ein Loch gelassen, und das mit gutem Grund. Diese Tür wird heute noch regelmäßig benutzt und zeugt von einiger Weitsicht der damaligen Baumeister.

Die Tür in der Wand ist von der Burg aus gut zu sehen.
Die Tür in der Wand ist von der Burg aus gut zu sehen.

Vielleicht hat es der eine oder andere schon einmal zufällig beim Vorbeigehen gesehen und kennt den Zweck, alle anderen müssten jedoch erst hinter diese Tür schauen, um das Rätsel zu lösen oder einfach weiter lesen. Der Weg dorthin führt zusammen mit der Mesnerin Anneliese Voggenauer über eine enge Wendeltreppe bei der Sakristei zuerst einmal in die Höhe. Begegnungsverkehr hat keine Chance, nur eine Richtung ist gleichzeitig möglich. Viel zu eng auch für Lasten. Nach zwei Absätzen mit weiteren Türen wird es plötzlich sehr geräumig. Der riesige Dachboden ist erreicht.

Der riesige Dachstuhl über den Gewölben.
Der riesige Dachstuhl über den Gewölben.

Unzählige Balken halten den Dachstuhl zusammen, viele versperren sogar den Blick nach ganz oben, weil er so hoch ist. Durch einige Luken im Dach dringt Licht herein, das Holz der Geländer glänzt vom Umgreifen der vielen Hände. Seit dem 15. Jahrhundert sind Menschen hier heraufgekommen. Sei es, um etwas abzulegen, die Fahnen herauszuhängen oder um weiter in den Turm mit seiner Uhr und den Glocken zu gelangen. 1410 ist mit dem Bau der Kirche begonnen worden, 68 Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung. Das war also kein Schnellschuss, sondern in der langen Zeit wohldurchdacht.

Ein Lastenkran mit Haken
Ein Lastenkran mit Haken

Ein Weg führt nun am Turmgehäuse vorbei hin zu dieser Tür. Zuvor wundert man sich über ein ziemlich dickes Seil, das an einem Drehgestell, einer Winde, umwickelt ist. Durch das Öffnen der Tür offenbart sich ihr Zweck. Ein horizontal gelegener Holzbalken ist an einem beweglichen Gestell befestigt und wird durch die offene Türe etwa einen Meter nach draußen geschoben. Darüber läuft das Seil mit einem Haken. Mit Hilfe dieser Winde fährt der Haken in die Tiefe, bis hinunter auf den Kirchhofplatz. Diese alte, aber äußerst bewährte Konstruktion benutzt noch heute etwa einmal im Jahr der Dachdecker und schafft damit neue Dachziegel hinauf.

Bewährt seit Jahrhunderten: Die Winde.
Bewährt seit Jahrhunderten: Die Winde.

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