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Umgehungsbrücke

Wasserburg – Führt der Spaziergang am Inn von Wasserburg in Richtung Rieden, ist die Umgehungsstraßenbrücke nicht zu übersehen. Dreht man vielleicht eine Runde um den Pfeiler oder führt einen der Weg oben an der Straße unter der Fahrbahn hindurch, könnte man sich die Frage stellen, was denn hinter den Edelstahltüren zu sehen ist. Wer noch den Kalten Krieg kennt, überlegt sich vielleicht, ob darin tatsächlich Spengstoff lagert, um die Brücke zu sprengen, falls doch „der Russe kommt“, wie es bis in diese Zeit eine geläufige Redewendung war. Wir gingen der Frage nach: Gibt es Sprengstoff in der Brücke?

Die Innbrücke vom Westufer aus gesehen.
Die Innbrücke vom Westufer aus gesehen.

Ingenieur Marcus Kast vom Staatlichen Bauamt in Rosenheim hat die Schlüssel für die Türen. Zuerst empfängt einen Allerweltsgraffiti, keine schönen Figuren, nur das übliche kryptische Geschmiere. Zwei Schlüssel sind gleichzeitig erforderlich, um den ausgeklügelten Schließmechanismus zu überlisten. Selbst damit gibt es noch einen gar nicht so dummen Kniff zu überwinden. Dann öffnet sich die Tür und es ist – erst einmal dunkel. Obwohl diese Konstruktion auf einen schon fast unwirklichen Eindruck macht, gibt es hier Lichtschalter, und zwar mehrere. Die Beleuchtung ist aber eher eine Notbeleuchtung. Denn wer hier etwas zu arbeiten hat, muss besseres Licht mitbringen.

Was ist hinter dieser Tür?
Was ist hinter dieser Tür?

Zuerst führt der Weg quer zu Fahrbahnmitte bis zu einem Eingang wie in einem U-Boot. Der führt in den sogenannten grünen Stahlhohlkasten unter der Fahrbahn. Dieser Kasten, über vier Meter hoch und fünfeinhalb Meter breit, hat auf der Seite einen Steg zum Gehen bis zur anderen Seite des Inns. In der Mitte sorgen quer verlaufende Eisenstreben für die notwendige Stabilität. Der Lärm ist zum Aushalten, Lastwagen hört man deutlich. Bei den drei Pfeilern führen Leitern durch mehrere Etagen rund 30 Meter hinab. Die erste Etage genau zwischen Brücke und Pfeiler ist aber die beste, von dort hat man einen guten Rundumblick. Gedacht ist das zur Inspektion der Teflonlager, auf denen sich die Brücke je nach Temperatur bewegt, bis zu 60 Zentimeter kann sie insgesamt wandern.

Marcus Kast sperrt auf.
Marcus Kast sperrt auf.

Wer geht hier entlang? Mitarbeiter des Straßenbauamtes, die alle drei Jahre alles genau anschauen, von der Schweißnaht bis zum Anstrich. Alle sechs Jahr gibt es noch einmal eine Hauptprüfung, die eine Woche dauert. Voriges Jahr war die letzte. Von der Fahrbahn aus darf dann ein schwindelfreier Fachmann in einer Hebebühne die Außenwände anschauen. Besonders das Salzwasser aus dem Winter setzt einer Brücke zu, erklärt Ingenieur Kast. Dafür gibt es viele Abläufe, damit sich ja nichts staut. Diese Öffnungen nutzen aber auch gerne Tiere. Vogelnester um die Ablauflöcher zeugen davon und Platz zwischen Kabelsträngen beanspruchen derzeit Marienkäfer als ihr Winterquartier.

Eingangsbereich
Der Eingangsbereich in den Stahlhohlkasten erinnert an ein U-Boot.

Was man jedoch nicht findet, ist Sprengstoff. Ältere Brücken hätten durchaus zum Teil Sprengschächte, erklärt der Ingenieur, aber der Sprengstoff lagere in friedlichen Zeiten niemals darin, das sei „viel zu gefährlich“. Trotzdem: Auf dem östlichen Lager, von dort wurde der Feind erwartet, sind Panzersperren. Acht Schächte, in die eingesteckte Stahlträger den Feind am Vorrücken hintern sollen. Es gibt allerdings Pläne, die abzubauen.

Freie Sicht bis zum anderen Ufer im Stahlhohlkasten.
Freie Sicht bis zum anderen Ufer im Stahlhohlkasten.

Die Innbrücke

Die 375 Meter lange Innbrücke ist eine von elf, aber das Herzstück der Wasserburger Umgehungsstraße. 1984 war Baubeginn.

Marcus Kast auf dem Weg in den Pfeiler.
Marcus Kast auf dem Weg in den Pfeiler.

Das besondere daran ist ihr relativ geringes Gewicht. Das hatte Priorität, weil der Untergrund nicht so tragfähig wie gewünscht war. 42 Meter tief hat man damals gebohrt, es kam einfach nichts besseres. Diese Konstruktion verkraftet obendrein leichte Bewegungen des Bodens. Stück für Stück ist der Stahlüberbau von Osten her in Richtung des westlichen Widerlagers vorgeschoben worden und war im April 1986 am Ziel. Dafür brauchte es eine aufwändige Hilfskonstruktion.

Vom Einstiegsgitter aus geht es in den
hohlen Pfeiler 30 Meter in die Tiefe.
Vom Einstiegsgitter aus geht es in den hohlen Pfeiler 30 Meter in die Tiefe.

Ein selten genutzter Aussichtspunkt mit Blick auf den
Innweg.
Ein selten genutzter Aussichtspunkt mit Blick auf den Innweg.

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