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Raketenstation

Raketenstation Kirchdorf

Kirchdorf – Keine großen Probleme haben Besucher von Karl Unterhaslberger, den Weg zu ihm, seinem Abschleppdienst und der Verwahrstation zu finden. Denn die Radartürme der ehemaligen Raketenstation bei Berg in der Gemeinde Kirchdorf sind weithin sichtbar. Trotzdem kommt man auch heute an der Eingangstür zu dieser Anlage nicht einfach vorbei.

Eingang
Die frühere Raketenstation wird heute gewerblich genutzt.

Die gute Rundumsicht war in den achtziger Jahren ein gewichtiger der Grund für eine Raketenstation an dieser Stelle, denn die Radarstrahlen zur Steuerung der Flugkörper sollten durch nichts abgelenkt werden, außer eben durch feindliche Objekte, die sie dann verfolgen sollten. Die Bundeswehr installierte hier in der Zeit von 1983 bis 1996 Flugabwehrraketen vom Typ HAWK.

Einer der fünf Radartürme.
Einer der fünf Radartürme.

Vor zehn Jahren kam Karl Unterhaslberger dieses Gelände gerade gelegen. Er hatte sich zu der Zeit neben seinem Abschlepp- und Bergedienst auf Sicherstellungen von Fahrzeugen konzentriert und benötigte dafür dringend Platz. Für Firmen und Banken holt er Fahrzeuge zurück, deren Vertrag nicht mehr erfüllt wird. Kurz: Wenn die Besitzer nicht mehr bezahlen. Diese Autos, angefangen vom Lastwagen über den Bus bis zum Rolls Royce, müssen einen sicheren Platz haben. Die ehemalige Raketenstation ist dafür ideal. Schon alleine durch den massiven Zaun, die Überwachungsmöglicheiten mit Kameras und Hunden und die äußerst solide Bauweise. Erworben hat er das 80 000 Quadratmeter große Gelände von der Bundesvermögensverwaltung.

Diese Tür des Radarturms ist eine Aufzugtür.
Diese Tür des Radarturms ist eine Aufzugtür.

Heute wirken die Gebäude von innen großzügig, die Mitarbeiter schwärmen zudem von der schönen Aussicht. Wie aus einer anderen Zeit wirken aber die Radartürme, die nahezu unverändert geblieben sind. Deren enges steiles Treppenhaus wirkt bedrückend, stellt man sich dazu Hektik im Ernstfall vor. Ganz fein liegt noch der Geruch von Maschinen und Öl in der Luft. Bis auf ein paar Hydraulikleitungen befindet sich aber nichts mehr in in den Türmen. Das Innere ist lediglich ein großer Aufzug, in dem die technische Anlage fürs Radar nach oben fuhr. Zusätzlich gibt es noch einen kleineren Lastenfaufzug, ideal für die Verpflegung des Personals. Die Telefonnummern am Aufzug, die Kabel überhaupt die ganze Anlage macht nach verlassenen 15 Jahren einen immer noch ordentlichen Eindruck. Eben solide Technik für die Vernichtung.

Das enge, steile Treppenhaus.
Das enge, steile Treppenhaus.

Hätte die Anlage ihren ursprünglichen Zweck erfüllt, wäre sie selbst zum angeflogenen Ziel geworden. Immerhin rechnete man zu der Zeit noch mit Atomraketen aus Richtung Osten. Vielleicht hätten dann einige der Soldaten noch Zeit gehabt, in die beiden Bunker direkt darunter zu laufen, die zweimal 40 Mann Platz bieten. Heute sind die leer.

Das Innere des Radarturms ist ein großer Aufzug.
Das Innere des Radarturms ist ein großer Aufzug.

Ein Um- oder ein Rückbau ist nicht vorgesehen, aber Haslberger macht das Beste daraus. Direkt an einem Turm ist heute ein Schwimmbad.


Der Lastenaufzug mit Telefonnummern.
Der Lastenaufzug mit Telefonnummern.

HAWK ist ein amerikanisches Waffensystem und bedeutet „Homing all-the-way Killer“, was in etwa mit „Ständig zielender Mörder“ übersetzt werden kann. Die Technik war komplex, Radarsignale von der Bodenstation halfen bei der weitgehend selbstständigen Zielbestimmung mit Freund-Feind-Kennung. Die Anlage musste rund um die Uhr betreut werden. Fünf Abschussplätze gab es in Berg.

Zurückgelassene Leitungen und Schläuche.
Zurückgelassene Leitungen und Schläuche.

Auf einem der Anhänger befanden sich die rund fünf Meter lange und zum Teil über 600 Kilogramm schweren Raketen, die von den fünf Radartürmen anzufunken waren. Die Reichweite lag bei mittleren 25 Kilometern, die Schubkraft war enorm. Schon nach wenigen Metern erreichte die Rakete Schallgeschwindigkeit und stieg bis auf 14 bis 17 Kilometer Höhe und diente damit der Luftverteidigung. Im Ernstfall hätten die fünf Anhänger mit ihren Raketen die fünf „Shelter“ bald verlassen um flexibel aus der Umgebung zu operieren und kein geschlossenes Ziel abzugeben. Im Gefechtskopf befanden sich 54 bis 75 Kilogramm Sprengstoff. Auch die Steuerungstechnik war flexibel und konnte schnell aus dem Turm heraus. Durch den Mauerfall, die damit verbundene Verlegung der Grenzen und durch neue Technik wurde das System überflüssig.

Hier standen die Raketen und warteten auf ihren Einsatz.
Hier standen die Raketen und warteten auf ihren Einsatz.

Unterstellt war die „Stellung Haag“, wie sie auch teilweise genannt wurde, dem Flugraketenabwehrbataillon 33 Lenggries, die Hauptunterkünfte lagen in Erding.

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