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Gemeindearchiv Schonstett

Schonstett – Was für ein Glücksfall: Im Schonstetter Gemeindearchiv sucht Jemand mit Vergangenheit vor Ort etwas zu seiner Familie und erklärt sich darüber hinaus bereit, das Archiv bei dieser Gelegenheit auf Vordermann zu bringen. Sebastian Rieperdinger und seine Frau Juliana haben bereits alles bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs sortiert, beschriftet und erfasst. Der Rest folgt nach und nach.

Bescheinigung
Anna Dick hat Philipp Nagler 1859 im Alter gepflegt und in dem Zusammenhang fünf Gulden und 27 Kreuzer quittiert. Sie konnte nicht schreiben und hat deshalb ein Kreuz neben ihren Namen gemacht.

Bürgermeister Josef Fink ist sichtlich froh über die Unterstützung. Denn die Beiden stöbern zum Zweck der Familienforschung von Sebastian Rieperdinger auf dem Dachboden des Rathauses in den historischen Dokumenten. Bei dieser Gelegenheit erfassen die beiden Unterlagen, sortieren und lagern sie in Schachteln ein. Weil die Familie doch größer und bekannter ist, taucht immer wieder etwas auf. Denn nicht nur im nahen Rieperting bei Schonstett gibt es Hinweise, die bis in das 15. Jahrhundert zurückgehen, sondern auch im Wasserburger Rathaussaal. So half der damalige Architekt Johann Rieperdinger maßgeblich mit, den Saal nach dem Brand im Jahr 1874 wieder herzustellen. Das alles faszinierte den heutigen Sebastian Rieperdinger derart, dass er nicht nur in Schonstett, sondern auch im Bayerischen Staatsarchiv und im Kirchenarchiv in der Geschichte seiner Familie forscht. Ein altes „Censurbuch“ mit den Namen und Beurteilungen seiner Vorfahren „haben mich richtig gefreut“. Vor allem würde die Frage beantwortet: „Wo komme ich überhaupt her?“

Abrechnungen
Abrechnungen für Umlagen und Gemeindekosten der „Landgemeinde Zillham“ aus dem Jahr 1843. Gegengezeichnet vom „Königlich Bayerischen Landgericht Trostberg“.

Vor seiner Rente hat Sebastian Rieperdinger bei den Münchner Stadtwerken gearbeitet, seiner Frau sind aus ihrer früheren Tätigkeit Behördenvorgänge geläufig. Die entscheidenden Dinge des Archivwesens haben sie sich aber selbst beigebracht. Vor allem fasziniert in dem Zusammenhang beide die Hilfsbereitschaft der Fachleute, gleich ob in München oder in Wasserburg. „Ferdinand Steffan zum Beispiel ist ein Glücksgriff“, lobt er über den Heimatpfleger, und reihenweise fallen ihm weitere Namen derjenigen ein, die ihm geduldig Zusammenhänge und Vorgehensweisen erklären. Das Archivwesen an sich sollte eigentlich niemand abschrecken, meint Rieperdinger: „Sichern und registrieren, da kann man nicht viel verkehrt machen“. Selbst die alte Schrift sei mittlerweile kein Problem mehr, denn das könne man lernen. Auch in die typische Ausdrucksweise von damals, komplizierte Zusammenhänge in einem einzigen Satz darzustellen, könne man sich hineindenken. So etwas übersetze man nicht, sondern gebe es bei Bedarf nur sinngemäß wieder. Nicht alles wird aufgehoben. Beispielsweise von alten Schulbüchern nur die besten zwei, alles andere fliegt weg, denn der Platz ist endlich.

Kassenbuch
So schön schauen heutige Kassenbücher nicht mehr aus. Kies für Straßeninstandhaltung kostete 4 Gulden und 48 Kreuzer.

Die Aufarbeitung des Archivs hat für Bürgermeister Josef Fink Priorität. Das hilft ihm selbst: Letztens habe er etwas für einen 90. Geburtstag gesucht; wenn es keine Angehörigen gebe, „wen soll man dann fragen?“. Das Rathaus selbst ist derzeit wegen der energetischen Sanierung eine große Baustelle. Auch das Archiv ist betroffen. Auf dem Dachboden wird dafür ein gut 100 Quadratmeter großer Raum ausgebaut. Darin sollen im kommenden Frühjahr nicht nur Regale mit Kartons und Bücher Platz finden, sondern auch Möbel und Einrichtungsgegenstände aus dem alten Schulhaus, dem heutigen Rathaus. So schnell geht den Rieperdingers die Arbeit nicht aus, denn beim Umzug der Schriftstücke und Urkunden helfen sie auch mit. Für diese Arbeit hier fahren sie in der Regel einmal in der Woche von Germering nach Schonstett.

Plan vom Schulhaus
Das Schulhaus im August 1910, Maßstab 1:75. Anton Tremmel hieß der Hauptlehrer.

Das Archiv selbst beherbergt Urkunden, Rechnungsbücher, Protokollbücher mit Gemeinderatsbeschlüssen und anderes überwiegend seit 1827, als in Bayern die Gemeinden entstanden sind. Seit der Gebietsreform 1972 kam auch Zillham hinzu. Überhaupt reicht Schonstetts Geschichte weit zurück, im Jahr 780 wurde es erstmals erwähnt. Urkunden lagern im Original im Bayerischen Staatsarchiv, aber zumindest Kopien gibt es vor Ort. Das alles ist auch eine große Hilfe für einen Bildband, der jetzt erstellt wird.

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