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Gemeindearchiv Rott

Rott -- Ein ehemaliges Kloster, eine früher bekannte Brauerei, eine interessante Nachkriegszeit mit verstärkter Bebauung und sogar ein Goethe-Institut im Ort -- mit all dem und noch einigem mehr kann das Rotter Gemeindearchiv aufwarten. Claudia Schaber aus der Verwaltung interessiert sich selbst für Geschichte, vor allem für die Ereignisse vor Ort und ist damit ein Glücksgriff für diese alten Dokumente. Ihre Motivation ist einfach: Schon immer habe sie gerne den Großeltern zugehört, Ereignisse im Ort bringt sie in Zusammenhang und sie findet es schade, wenn altes Wissen verloren geht. 
Werbung einer Brandschutzversicherung.
Darauf kann es nur eine Antwort geben.

Erst vor kurzem hat sie einen Lehrgang für das Archivwesen besucht, nun sieht sie noch mehr die Notwendigkeit, all das Wertvolle zu sortieren, ordentlich in Regale zu packen und ein Findbuch zu erstellen. Größere Ereignisse, wie der Brand in der früheren Brauerei Kaiser, finden sich auch darin. „Ist Feuer-Versicherung notwendig?“, fragte 1932 dazu die Allianz-Versicherung in ihrer Hausmitteilung. Eine klare Antwort lieferte die gleich daneben abgebildete, frisch abgebrannte Rotter Brauerei Kaiser im ehemaligen Kloster mit einem Zeitungsartikel, in dem von einem „Riesenbrand“, von „völlig zerstört“ und dem „rasenden Element“ die Rede war. Bei diesem tragischen Ereignis im August 1937 war aber auch von Glück die Rede, weil die nahe Barockkirche verschont blieb. Man ging von Brandstiftung aus, weil Besitzer Max Zwicknagl aus seiner damaligen Ablehnung gegen die Nazis keinen Hehl machte. Aber vom barocken Festsaal gibt es deshalb nur Bilder und Beschreibungen. Kurz darauf baute der Besitzer aber seine Brauerei wieder auf. Übrigens wurde 1957 eine seiner Töchter, Marianne, die Frau von Franz Josef Strauß.

Deutsch lernen und kulturellen Austausch pflegen, das geschah in Rott zwischen den Jahren 1959 bis 1961 sehr intensiv. Gleich mehrere überregionale Zeitungen beschrieben die „Praktikanten aus Westafrika“ im Goetheinstitut zu Rott, das sich im Kinder- und Jugenderholungsheim „Alpenblick“ befand. Nicht nur Schwarzweißfotografien mit tanzenden und feiernden Gästen zeugen heute noch davon, einige der Gäste blieben sogar hier, was damals wegen des Arbeitermangels durchaus beabsichtigt war.
Rotter
Goetheinstitut
Deutsch gelernt und deutsch gefeiert -- im Rotter Goetheinstitut.

„Rette Deine Seele“, „Nur eins ist nothwendig“ damit es „Keine Todsünde mehr“ gibt. Mit diesen schlichten Aussagen warb 1890 die „Heilige Mission“ eine Woche lang in Rott. Sehr gut erhaltene, farbige und aufwändige Andenkenkarten geben eine ungefähre Vorstellung über das Wirken der „Hochwürdigen Väter“, der damaligen Kapuziner-Patres.
Einladung zur Heiligen Mission.
Einladung zur Heiligen Mission.

Die Inn-Schifffahrt war gefährlich, immerhin gehört der Fluss zu den wasserreichsten Deutschlands. Entsprechend groß war der Respekt davor, und eine Schiffs-Bruderschaft mit dem Namen „Maria vom Herzen“ förderte den Zusammenhalt untereinander. Eine Besonderheit war es, dass eine Frau dazugehörte. Sophie Bichler bekam die Aufnahmeurkunde am 31. Dezember 1742. Der Patronin „Maria vom Herzen“ sollten alle, so steht es in dem Schriftstück, eine „herzliche Andacht, zarte Liebe und kindliches Vertrauen“ entgegenbringen. Damit bräuchten die so „Einverleibten“ nichts mehr fürchten, außer „den geistigen Schiffbruch ihrer Seelen“. Durch „Reue und Buße“ war aber auch der Zustand kein endgültiger.
Der Baufortschritt am Stögerfeld ist fein säuberlich dokumentiert.
Der Baufortschritt am Stögerfeld ist fein säuberlich dokumentiert.

Ein Freibad im Ort gab es einmal nordwestlich des Bahnhofs. Das zog vor allem bei der Eröffnung am 29. Juli 1934 so viele Menschen an, dass die alle miteinander gar nicht ins Becken gepasst hätten. Heute gibt es das nicht mehr, zum Schwimmen geht man zum Ausee. Etliche Fotos im Archiv vermitteln einen Eindruck aus dieser Zeit. Rott wuchs nach dem Krieg. „Marktgemeinderat geht der Wohnungsnot zu Leibe“, hieß es 1951 in der Zeitung. Kein Wunder, lebten 1933 noch 1608 Menschen in Rott, waren es sieben Jahre nach dem Krieg 2700. Die Wasserburger Wohnungsbaugenossenschaft stellte acht Häuser eines „neuen Bautyps“ in das Stögerfeld. Zahlen, handgemalte Grafiken und Fotos vom Bau sind feinsäuberlich in Zeichen-Heften festgehalten. Klassenbücher gibt es schon lange, meist aber mit harmlosen Einträgen, wie dem vom 1858 geborenen Joseph Linnhuber aus der dritten Klasse: „War schon öfter bei kleinen Raufereien“.
Die Einweihung des Rotter Freibades.
Die Einweihung des Rotter Freibades.

Wichtige Daten, wie Geburten und Todesfälle der Rotter Bürger, sind ab dem Jahr 1876 in einem Tresor im Keller untergebracht. Ordentlich stehen dort nebeneinander gebundene Sterbebücher ganzer Generationen.
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