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Gemeindearchiv Rechtmehring

Rechtmehring -- Nicht nur eine Pflichtaufgabe ist das Rechtmehringer Archiv für den Geschäftsstellenleiter der Gemeindeverwaltung Markus Bauer. Er kennt sich auch mit dem Inhalt aus und kann mit einigen Geschichten aufwarten, die vielleicht noch ein paar Ältere kennen, aber nicht so von so großer Bedeutung sind, dass sie den Einzug in die Geschichtsbücher oder die Heimatchronik gefunden haben.

Das Essen von Tieren wird je nach Kulturkreis oder Land unterschiedlich betrachtet. Schwein oder Rind, das ist hier völlig normal, aber den Verzehr von Hunden lehnt man bei uns durchweg ab, während in anderen Ländern so ziemlich alles auf den Tisch kommt. Der Verzehr von Hunden gepaart mit Außenseitertum macht so eine Geschichte perfekt. Genau so geschah das in den Fünfziger Jahren, als überregionale Zeitungen und Zeitschriften, 1955 darunter die damalige „Revue“, „Endlich Schluß mit dem Hundeschlachten“ forderten. Empörte Menschen aus ganz Deutschland schrieben daraufhin an die Gemeinde. Was war geschehen? Der Bauer Andreas Schreier umsorgte zusammen mit seiner Haushälterin schon fast liebevoll Hunde, tötete sie dann und aß sie. Das ist nicht verboten, mit dem Gesetz kam er mehrmals nur deshalb in Konflikt, weil er für die vielen Tiere keine Steuern bezahlte und weil einige zum Ärgernis der Nachbarn streunten. Das zog sich über Jahre hin. Am Ende starb er, man fand ihn von seinen Hunden angefressen. Seine Haushälterin, von der niemand wusste, wo sie herkam, starb auch kurz darauf in einem Nervenkrankenhaus.
Wochenzeitschrift Revue
„Schluß mit dem Hundeschlachten“ forderte 1955 die Wochenzeitschrift Revue.

Andere Dinge des Archivs sind derzeit mit einem Findbuch nicht erfasst und katalogisiert, aber Bauer weiß, wo er hingreifen muss. So nach und nach, wenn die Arbeitszeit es erlaubt, werden Dinge aussortiert und geordnet. Das bedeutet, sich durch etliche Ordner mit Belegen und alten Rechnungen zu wühlen, wobei die grobe Vorsortierung bereits erfolgt ist. Auf zwei Kellerräume verteilen sich die Vorgänge aus der Vergangenheit der Gemeinde bis heute. Gut zu sehen ist, dass bereits früher die Verwaltung großen Wert auf Ordnung gelegt hat. So sind mehrere Jahrgänge mit Rechnungen ordentlich als Bücher gebunden. Da tut man sich nicht mehr so leicht mit wegwerfen, kein Mensch reißt Seiten heraus, damit es weniger Platz wegnimmt.
Dienstbotenverzeichnis
Wer arbeitete wann bei wem als Dienstbote?

Zu sehen ist hier zwischen den Regalböden auch, wer dem letzten König gegenüber Treue geschwört hat. Was weit weg ist, wird hier lebendig: Mit Stempel und Unterschrift vermerkte die Gemeinde fein säuberlich im Protokollbuch, wer den Verfassungseid abgelegt hat. Und noch 1888 unterschied man zwischen Menschen mit und ohne Gemeindebürgerrecht. Alle waren in einem „Familienstandsbogen“ mit Name, Geburtsdatum und den bezahlten Steuern erfasst. Ein „Grundsteuer-Kataster“ ist auch keine neue Erfindung. Mit Stempel vom „Königlich Bayerischen Rentamt“ zu Wasserburg, 1875. Einträge im damaligen Grundbuch waren schon in den Dreißiger Jahren von Bedeutung, man ging zum Notar Weinmiller in Haag, gleich im Amtsgericht war das Grundbuchamt.

„Wer kann hierüber entscheiden?“, fragte der Gemeinderat 1931 den Bayerischen Landes-Feuerwehrverband in München, als es um den Kauf einer Motorspritze ging, Schleefeld aber wegen der hohen Kosten nicht mitzog. Zwingen oder ausschließen? Damals war Schleefeld selbstständig und gründete daraufhin kurzerhand mit 41 Mann eine eigene Wehr. Von Hand geführt wurden damals Zu- und Wegzüge, und erfasst waren noch in den Dreißiger Jahren die Dienstboten in einem eigenen Register mit Name des „Dienstgebers“, sowie Ein- und Austritt. Gut erhalten ist die Kriegschronik der Gemeinde. Gefallene Soldaten sind zum Teil mit Bild und manchmal auch gleich mit Sterbeanzeige eingeklebt. Ein eigenes „Verzeichnis der ausgestellten Kennkarte“, dem früheren Inlandsausweis, macht Familienforschung leicht. Und wer im Dritten Reich heiraten wollte, brauchte vor allem eine „Eheunbedenklichkeits-Bescheinigung“ zum „Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. Die galt dann ein halbes Jahr.
Kriegschronik
Vom Soldaten blieb in der Kriegschronik ein Sterbebild.

Sauber von Hand schrieb man in den Sechziger Jahren ins „Beschlußbuch“ des Gemeinderates alles, worauf man sich geeinigt hatte -- oder nicht. Das war nicht immer spannend. Am 4. Oktober 1967 ging es drei Stunden lang um die „Änderung der Satzung für die Ortskanalisation“. Die Sitzungsteilnehmer rechneten „sämtliche Möglichkeiten“ mit dem Ziel durch, mehr Gerechtigkeit herzustellen -- ähnlich wie heute.

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