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Gemeindearchiv Obing

Obing – Gut strukturiert und geordnet ist das Obinger Archiv, das derzeit noch in der alten Schule untergebracht ist. Bis in das Jahr 1993, da gab es die letzte große Überarbeitung, ist alles mit einem Findbuch ordentlich erfasst.


Alte Bücher
So ein Titel ist nie lange aktuell: Das „Neue Deutsche Rechtsbuch“.


Geschäftsstellenleiter Ludwig Mörner ist der Ansprechpartner, selbst kennt er sich mit der Ortsgeschichte gut aus. Von ihm stammte vor ein paar Jahren die Idee zu einem Bildband der Gemeinde, mitgearbeitet hat er auch bei der Ortschronik. Ab und zu kommen Schüler in die Gemeinde und fragen nach Dingen aus dem Archiv, beispielsweise wenn eine Facharbeit mit Details aus der örtlichen Heimat- und Hofgeschichte oder dem Dritten Reich vor Ort ansteht. Überhaupt ist Obing mit Büchern gut bestückt. Es gibt „De Obinga im Laufe der Zeit“ aus dem Jahr 1991, das „Heimatbuch Kienberg“ und „Bilder aus vergangenen Tagen“. In diesen Büchern fällt auf, dass sich Menschen früher viel lieber bei der Arbeit fotografieren ließen. Denn Frauen beim Wäschewaschen am Obinger See zu fotografieren, wäre heute schon wegen der Persönlichkeitsrechte so schwierig, dass sich kaum jemand die Mühe bei ähnlichen Motiven machen würde. Seitdem die Herstellung von Fotobüchern aber sehr einfach geworden ist, halten in den letzten Jahren mehrere Jahrbücher die Geschichte lebendig. Viele gibt es auch noch in der Gemeinde zu kaufen.


Die Juden mussten nicht
mehr registriert werden.
Die Juden mussten nicht mehr registriert werden.


Zu finden sind im Archiv auch Vorgänge aus den Partnergemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, zu der Pittenhart und Kienberg seit 1978 gehört. Vor Gründung der VG brachte die Gebietsreform die Orte Albertaich und Voglöd zu Obing. Für Obing selber lässt sich zwischen den vielen Aktendeckeln auch die Geschichte des Strandbads gut verfolgen. So erlebte dessen Besitzer wegen des Krieges wirtschaftliche Turbulenzen in der Art, dass es daraufhin Josef Wurmanstätter der Gemeinde erfolgreich zur Pacht anbot. Selbst hatte er es 1929 gekauft, hergerichtet und war auch mit dem Ertrag zufrieden. Aber durch die Versorgungsengpässe bei Essen und Trinken blieben Einnahmen durch die Badegäste aus, ohne Aufsicht verkam das Bad. Das war 1941, in einer Zeit, als die Telefonnummer 23 lautete und man einen Brief mit „Heil Hitler !“ schloss. Überhaupt ist hier das Dritte Reich gut sortiert. Ausführliche Verzeichnisse helfen bei der Familienforschung. Darunter ist beispielsweise die „Erfassung der in Bayern lebenden Juden“. Noch fünf Jahre nach Kriegsende beschäftigte das Landratsamt Traunstein die „Möglichkeit der Umsiedlung von Heimatvertriebenen nach Nordrhein-Westfalen zur Arbeitsaufnahme im Ruhrbergbau“. Zuerst sollten die Arbeiter alleine kommen, weil die Zechen als Betreiber der Bergwerke den Wohnraum erst noch bauten. Gelockt wurde mit allerlei Entschädigungen und: „Die Verpflegung ist reichlich, gut und preiswert“. Rot abgehakt sind auf einem anderen Schreiben mit dem Vermerk „Eilt sehr!“ 17 Namen für die Übersiedlung in die französische Zone.

Not macht erfinderisch. So spielte 1942 der Tabakanbau in Obing eine Rolle. Der Bürgermeister übermittelte an das Hauptzollamt in Rosenheim vier „Pflanzer“ in Pfaffing, Obing, Rumersham und Großbergham. Eine öffentliche Bekanntmachung für die „Tabakpflanzen durch Tabakkleinpflanzer“ war damals gleich einer „Öffentlichen Zahlungsaufforderung“ für die Steuern, die sich an der Zahl der Pflanzen bemaß. Nach dem Krieg spielte das Vergnügen wieder eine Rolle, aber ohne Ordnung ging nichts. Für weitere Filmvorführungen im Gasthof Reiter brauchte es für das Brandversicherungsamt dringend eine Genehmigung des Tüv. So lange mussten die Vorführungen ruhen.

Verzeichnisse
Eine Fundgrube für Familienforscher: Verzeichnisse der An- und Abmeldungen in den Gemeinden, besonders aus der Kriegszeit.


1908 entstand die Eisenbahnlinie von Endorf nach Obing, 1957 befasste man sich bereits mit deren Schließung, weil die Fahrgastzahlen hinter den Erwartungen lagen. 1967 gab es wegen der „Einstellung des Reisezugbetriebes Endorf (Oberbay) – Obing“ Schriftverkehr mit dem damaligen Halfinger Bürgermeister Hans Flori, der das für die angrenzenden Gemeinden federführend übernommen hatte, und dem Verkehrsministerium. Die Einstellung des Personenverkehrs sei lediglich ein „Schlusspunkt einer sich länger abzeichnenden Entwicklung“, lautete die Antwort aus dem Hause des damaligen Ministers Georg Leber. Obing entdeckte zu der Zeit zunehmend den Fremdenverkehr und wehrte sich zusammen mit anderen Gemeinden vehement, letztlich aber umsonst, dagegen.

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