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Gemeindearchiv Maitenbeth

Maitenbeth – Die Zeit fehlt, Personal, Geld und überhaupt der Platz. Auch in Maitenbeth spielt das Archiv eine eher untergeordnete Rolle. Was soll schon groß darin sein? Doch beim Stöbern tauchen schon ein paar Schätze auf, die es wert wären, einmal gezeigt zu werden.

Alte Geldscheine
Ein Schmuckstück: An den fein säuberlich mit Siegel befestigten Geldscheinen lässt sich die Inflation Jahr für Jahr verfolgen.

Eine Angestellte ist damit jetzt eher oberflächlich betraut, das soll sich aber einmal vertiefen, hofft sie. Zu gerne würde sie sich, sobald es die Zeit einmal erlaubt, mit dem Inhalt dieses etwas abgelegenen Zimmers im Rathaus befassen. Extra dafür, und weil es sie grundsätzlich interessiert, hat sie sich Kenntnisse über die alte deutsche Schrift angeeignet. Die kann sie sogar schreiben. Aber der Geschäftsleiter dämpft die Hoffnung. Man sei zu zwei Stellen unterbesetzt, eine Besserung sei konkret nicht in Sicht. Vor allem fehlt schlicht der Platz im Rathaus. Vielleicht ergebe sich irgendwann einmal in der Ortsmitte eine Option.

Gegen die Bestandsaufnahme im Archiv spreche auch, dass kaum jemand etwas nachfrage. Obwohl hier einige Pläne liegen, Luftfotografien oder Namenslisten. Wenig ist allerdings zu standesamtlichen Vorgängen zu finden, die liegen alle in Haag. Dafür könnten Ahnenforscher aber immerhin in Familienstandsbögen blättern. Und es finden sich zum Teil sehr schön geschriebene Protokollbücher aus dem Jahr 1900, unterzeichnet vom damaligen Bürgermeister Hundschell. Spontan taucht da beim Durchschauen die Frage auf, warum bei manchen Abstimmungen einige der 96 berechtigten Maitenbether mehrere Stimmen gehabt hatten.

Können sich manche Nachbarn schon „ewig“ nicht leiden und niemand weiß, warum? Ein Blick in das Sühneversuchs-Protokoll oder die „Strafliste“ könnte helfen, die Ursache zu finden. Denn kleinere Streitereien finden sich darin. Aber diese Schlichtungsversuche waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Diebstahl, Fischwilderei, Fahren ohne Führerschein oder Körperverletzung waren die typischen Verfehlungen der Zeit. Das war aber nichts im Vergleich zum Verbrechen von Josef G., der 1947 eine Buchhalterin im Wald beim Beerenpflücken erschlug und anschließend missbrauchte. Dieser Fall fand 1963 sogar Einzug in das Buch „Das Sexualverbrechen“ mit dem Hintergrund, solche Taten aus kriminalistischer Sicht zu beurteilen. Auf die Schnelle ließ sich heute in den Regalen dazu leider nichts weiteres finden.

Aber dafür etwas ganz Besonderes, nämlich ein handgebundenes Buch mit dem Titel „Aus Deutschlands schwerster Zeit – Deutsche Zahlungsmittel 1914 - 1924“. Gemeint war die Inflation, die schwerste Zeit stand ja erst noch bevor. Darin sind im Original Geldscheine mit einem Siegel eingeklebt, um sie beidseitig zu betrachten und zu befühlen. Gesteigert haben sich die aufgedruckten Werte im Laufe weniger Jahre von 20 Mark bis zu fünf Millionen Mark je Schein. „Der amtliche Dollarkurs lag als Tabelle von 1919 bis 1924 gleich anbei. Ebenfalls nichts weiter mit der Gemeinde an sich hat eine „Bilder -Bibel“ zu tun, aber beeindruckend schaut das großformatige Werk schon aus. „Vierzig kolorierte Darstellungen der wichtigsten Begebenheiten des Alten und Neuen Testaments“ sind darin festgehalten. Ein Datum ist keines zu finden, aber verkauft wurde es von einer Münchner Buchhandlung mit damals vierstelliger Telefonnummer.

Die „Speisung der
fünftausend Mann“ ist eines von 40 biblischen Darstellungen.
Die „Speisung der fünftausend Mann“ ist eines von 40 biblischen Darstellungen.

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