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Gemeindearchiv Haag

Haag – Die größten Schätze aus der Haager Geschichte liegen nicht im Rathausarchiv, die besitzt der Geschichtsverein. Bis zur Schließung des Schlossturmes war das alles auch vorbildlich darin ausgestellt. Trotzdem: Schon fast aus dem laufenden Betrieb beherbergt das Haager Rathaus in Registratur und den Büros der Mitarbeiter bedeutende Pläne und Bücher.

Karte der früheren
Gemeinde Haag aus dem Jahr 1879.
Karte der früheren Gemeinde Haag aus dem Jahr 1879.

Bereits im Standesamt greift Patrik Peltram in die Stahlschränke hinter sich und kann auf Vorgänge bis ins Jahr 1876 zeigen. Da wurde das Standesamt allgemein erst eingeführt. Geschäftsleiter Christian Singer bedauert das Fehlen eines richtigen Archivs, denn bei einer Erschließung des historischen Materials würde man sich wesentlich leichter tun, etwas aus der Geschichte zu finden. Aus dem Bauamt kann sich Alexander Obermeier noch gut an die Zeit erinnern, „wo viel in den Schredder geworfen wurde“, darunter auch eine Mappe mit alten Plänen. Bei Gelegenheit würde man die ganzen alten Sachen gerne archivieren. Als Aufbewahrungsort ist ein mögliches Dokumentationszentrum im Zehentstadel nur eine von mehreren Optionen. Obermeier weiß, in welche Schublade des Planschrankes er greifen muss, um beispielsweise einen Bebauungsplanentwurf aus dem Jahr 1965 für Rosenberg herauszuziehen, als das noch mit Bürgermeister Göschl selbstständig war. Eine Siedlung im größeren Stil mit Kindergarten, Kirche, Pfarrhof und Friedhof war dort geplant, wo heute Stiftungswald und Schafweide ist. Gestoppt hat das die Gebietsreform.

Volkszählungsbogen
Ein immer wiederkehrendes Ereignis: Die Volkszählung.

Schon fast zeitlos sind Pläne zu Versorgungsleitungen. Muss eine Straße aufgegraben werden, freut man sich meist über jeden Hinweis, das können auch „Details zu einem Einstiegschacht“ sein, auch wenn er aus dem Jahr 1909 ist. Damals hieß der Marktplatz noch „Schrannen Platz“ und der Plan war „Eigentum des Königlich Bayerischen Kataster-Bureau“. Die „Münchener Elektricitäts-Gesellschaft“ schlug 1907 mit einer genauen Planung die erstmalige Verlegung der Leitungen zuerst entlang der Hauptstraßen im Ort vor. Leider etwas ausgeblichen, aber immerhin noch erkennbar ist der vorvorletzte Flächennutzungsplan von Haag aus dem Jahr 1962. In einer größeren Ansicht zeigt die „Uebersichtskarte der Amtsgerichte Haag und Wasserburg im Jahre 1879“ frühere Grenzen und die Bedeutung der damaligen Gemeinden auf.

Karte der Kanalisation.
Die Kanalisation im Jahr 1909.

Volkszählung? Unterschiedliche Ausgaben davon findet man hier in einer Version von 1876 als „Ortsbevölkerungs-Liste nach Häusern“. 1916 hieß das dann „Gemeindebevölkerungs-Liste“, 1937 zählte das „Amt für Volkswohlfahrt“ auch die „Deutschen“ als hervorgehobenen Begriff. Nachvollziehen kann man beim Blättern in den Ordnern, dass für manche 1960 der Ausbau der Bundesstraße 12 gar nicht angenehm war. Das damalige „Amtsblatt“ gab Details zum Enteignungsverfahren „aus Gründen des Gemeinwohls“ bekannt.

Karte von Rosenberg.
Rosenberg mit Friedhof, Kirche und Pfarrhof. Den Kindergarten gibt es heute, aber an anderer Stelle.

Ein großes Thema war in Haag die Gebietsreform. Immer wieder taucht bei diesen Verfahren auch der Begriff „Wunschkatalog“ auf. Denn die Umworbenen wollten immerhin eine ordentliche Anbindung mit Straßen, Kanal und dergleichen. Einwohner wurden schon einmal mit Flugblättern, wie dem vom damaligen Maitenbether Bürgermeister Anton Ober umworben: „Urteilen Sie selbst“, stand darauf, und die Schlussfolgerung stand ein paar Sätze weiter schon fest: „Und erkennen Sie ...“ Letztlich ging es um viel Geld, denn die Regierung ermutigte mit einer doppelten Schlüsselzuweisung zu einem freiwilligen Zusammenschluss. Während dabei die Eingemeindung von Sandgrub und Lerchenberg 1971 gegen den Widerstand aus Kirchdorf noch verhältnismäßig einfach war und die Maitenbether vergeblich ihre „Verbundenheit und Zusammengehörigkeit mit Winden“ ausdrückten, dann Allmannsau und Rosenberg zu Teilen nach Haag kamen, war die Verwaltungsgemeinschaft schon ein anderes Kaliber. Dieser Zusammenschluss mit Kirchdorf, Maitenbeth, Rechtmehring und Reichertsheim mit Sitz in Haag hatte keinen Bestand, weil sie von Beginn an niemand wollte. Haag hatte dann auch beim Gemeinschaftsvorsitzenden und seinem Stellvertreter das Nachsehen, obwohl man auf fast die Hälfte der Gesamteinwohner kam, die Räume stellte und am meisten bezahlte. Die Auseinandersetzungen waren heftig, wurden teilweise in den Leserbriefspalten ausgetragen und sind auch in den Beschlussbüchern wiederzufinden: „Das Unglück nahm seinen Lauf“, von „bitterer Realität“ war die Rede, „verhaßte“ VG, „Stimmungsmache“ oder „Mit Euch fahren wir Schlitten“. Selbst in einer „sachlichen Stellungnahme“ war der Gegner ein paar Zeilen weiter gleich im „Schmollwinkel“ ausgemacht. Und sogar das Dienstzimmer des Haager Bürgermeisters stand damals im Zusammenhang mit der VG in der Diskussion. Großzügig gab nach überstandenem Kampf der damalige bayerische Innenminister Gerold Tandler den „Abschluß der kommunalen Gebietsreform“ bekannt. Konkret bedeutete das die Selbstständigkeit von Haag. Aufgrund einer Gesetzesänderung war das 1980 plötzlich leichter, aber selbst das war auf Landesebene umstritten. Einen offiziellen Dank für die Unterstützung bekam der „ehemalige Haager“ und damalige Landtagsabgeordnete Hermann Zenz von Bürgermeister Franz Stein.

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