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Gemeindearchiv Eiselfing

Eiselfing -- Während derzeit wieder über den Sinn der bevorstehenden Volkszählung und den Datenschutz diskutiert wird, hatten die Bewohner von Aham in der Gemeinde Eiselfing um die vorletzte Jahrhundertwende ganz andere Sorgen. Dort wurde, wie in vielen anderen Orten allerdings auch, noch viel mehr erfasst. In den Schränken des Archivs von Eiselfing ist zu sehen, was das alles gewesen ist.

Bestandsbuch
„Mangel an Licht und Luft?“ Das war bei den Zimmern dieser Anwesen in der Gemeinde Aham zumindest nicht der Fall.



Zwischen Regalen, gefüllt mit Ordnern der Registratur mit Schriftstücken und Rechnungsbelegen steht ein Stahlschrank mit Heftern und Büchern zu Themen, die in den Jahren weiter zurückreichen. Es fehlt einfach die Zeit zum ordnen und sortieren, bedauert Oskar Pircher, Geschäftsleiter, Kämmerer und Herr über das Bauamt in einer Person. Die Verwaltung müsse sich um die Dinge kümmern, „die man dann auch sieht“, grenzt er die Prioritäten ab. Deshalb beschränkt sich das Archiv mit Registratur rein auf den Nutzen. Anders formuliert heißt das eben auch, dass niemand in den älteren Dokumenten bisher etwas gesucht hat. Dabei gebe es da einiges zu entdecken, wie eben jene „Ergebnisse der Wohnungsbesichtigung in der Gemeinde Aham im Jahre 1908“. Das war ein laufender Prozess über eine längere Zeit, dessen Ergebnisse in ein vorgedrucktes Heft einzutragen waren. Beispielsweise die Zahl der Wohnungen und sogar die Größe der einzelnen Räume. Letztlich gb es vor dem Schlafzimmer auch kein Halten: „Zahl der Schlafgänger, männlich, weiblich“? Waren die Schlafräume etwa überfüllt? Wurde gar „gegen die Sittlichkeit verstoßen“? Gibt es „Mangel an Licht und Luft“ oder „übermäßige“ Wärme oder Kälte? Vielleicht „Verletzung von Sitte und Anstand“ in den Aborten? Damals lebten viel mehr Dienstboten und Wanderarbeiter auf den Höfen. Bessere Arbeitsbedingungen für diese Arbeitskräfte waren eines der Ziele solcher Untersuchungen.  Denn auch darauf achteten die Kontrolleure: Sind die Zimmer weiblicher Dienstboten verschließbar?

Hausnummernverzeichnis
Welche Hausnummer hatten wir früher? Das steht in dieser Liste.



Die meisten Namen bei der Familienforschung erfährt man wahrscheinlich beim zuständigen Wasserburger Standesamt. Liegt es weiter zurück, könnte man in den Mappen mit damaligen „Familienbögen“ oder dem „Dienstbotenverzeichnis“ um 1900 etwas finden. Wo kommen Bezeichnungen her, deren Ursache vielleicht niemand mehr kennt?

Namen ändern sich, glücklich ist, wer dann einen Blick ins Hausnummernverzeichnis werfen kann. Fein säuberlich stehen dort Hausbesitzer mit damals alter und neuer Hausnummer. Und das ist, im Juli 1954, gar nicht so lange her. Fein säuberlich niedergeschrieben sind auch Schulsitzungsprotokolle von 1896 bis 1914.

Anbauflächenvordruck
Das war schon ein bürokratischer Aufwand: Anbauflächenvordruck samt Ausfüllanleitung.



Eine Vorstellung von dem, wie ein Staat funktioniert, zeigt auch der 1932 ausgefüllte Vordruck „Anbauflächen Ende Mai 1932“ vom damaligen Staat Bayern, Regierungsbezirk Oberbayern, Bezirksamt Wasserburg und der Gemeinde Freiham: 68 Hektar Winterweizen, 28 Hektar Sommergerste oder zwei Hektar Frühkartoffeln; alles ist notiert. Zum Thema Erfassen passt auch die „Alphabetische Liste“ aus dem Jahr 1886 mit den 20-jährigen „Militärpflichtigen“.  Inklusive der„Resultate der Musterung“ samt „Körperlicher Fehler“ und dem „Gewerbe oder Stand des Vaters“.

Details der Musterung.
Details der Musterung.



Die Kontrolle verschärfte sich im Krieg, deutlich zu sehen am „Pferde-Bestand der Gemeinde Freiham“ mit der auszufüllenden „Pferde-Veränderungsmeldung“, später auch der „Pferde-Einberufung“. Bereits der Ton sollte keinen Zweifel aufkommen lassen. Denn es war ein Befehl, vom Bürgermeister unterzeichnet: „Auf Grund des Gesetzes ... haben Sie sofort ... in ... bei ... folgende Pferde ... für Wehrmachtsübungen zu gestellen.“

Rechnungsbücher
Weniger spannend aber zumindest schön gebunden: Rechnungsbücher.


Da mag die andere Seite der Obrigkeit, die „Armenpflege“, im Jahr 1896 ein Trost sein. Denn der Staat schaut auch auf seine Bürger, wenn sie einmal nichts leisten können. Gleich mehrere Bücher zeugen von den „Ausgaben auf Unterstützungen“. Darin war etwa auch ein Posten für die „Ausbildung armer Kinder“.

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