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Gemeindearchiv Edling

Edling -- Eine besondere Leistung der Gemeinde Edling war zweifellos im Jahr 1981 der Sieg über die Gemeindegebietsreform. Der komplette Schriftverkehr mit Behörden, Ministerien, Anwälten und Politikern hat die Gemeinde an einem würdigen Platz aufbewahrt, nämlich in einem vorbildlich eingerichteten Archiv im Obergeschoss des Rathauses in geräumigen Regalen mit Find- und Ausleihbuch.

Mit Unterstützung des damaligen Landkreisarchivars und einer ABM-Kraft brachte die Gemeindeverwaltung ihre eigene Geschichte vor elf Jahren auf Vordermann. Akten, Bücher und Urkunden zu Edling, zur früheren Gemeinde Steppach, zu Akten der Bürgervereinigung, dem Schulverband und dem Wasserbeschaffungsverband liegen übersichtlich in Heftern und Kartons. Bereut habe man diese Arbeit nie, versichert Geschäftsleiter Martin Berger. Allerdings: Jetzt wäre allmählich die Zeit, auch neuere Vorgänge einzusortieren.

Plan zum
Schulhausumbau.
Schulhausumbau von 1920.


Leistungsfähigere Gemeinden waren das Ziel der 1971 startenden neunjährigen bayerischen Gebietsreform. Die war nicht überall beliebt, immerhin mussten die Edlinger aber nicht ihr Rathaus verbarrikatieren, wie es die Bürger im fränkischen Ermershausen mit Erfolg taten. Während in diesem Verfahren ohne großes Aufsehen Steppach zu Edling kam, weil der Gemeinderat unter Bürgermeister Michael Huber 1970 mit acht gegen eine Stimme dafür war, mochte Edling selbst nicht zu Wasserburg. In Steppach stand damals der Anschluss an eine Kläranlage an, der von den 600 Einwohnern nur schwer zu bewältigen war. Man hatte nichts gegen die Stadt, das Standesamt übergab man bereits 1969. Begründet hat Edling seine eigene Verweigerung mit allerlei Zahlen zu Einwohnern, Arbeitsplätzen, Baugebieten, der Bahnlinie, dem Ausbau der Straßen und des Kanals. Das sollte untermauern, dass Edling auch so „den Zielvorstellungen der Gemeindegebietsreform mehr als gerecht wird“. Und: „Diese Reform soll auch nicht dazu beitragen, eine leistungsfähige Gemeinde wie Edling zu opfern ...“ , ist in den Schreiben zu lesen. Die Bevölkerung war dahinter: In einer Abstimmung waren 90 Edlinger für den Anschluss nach Wasserburg, 1572 hingegen für die Selbstständigkeit.

Vertrag von 1891.
Ein Beispiel, wie man damals schrieb, zeigt diese Vereinbarung zum Bau der Brücke bei Bruckmühl von 1891. Kurze verständliche Sätze werden heute begrüßt, Sätze von Juristen oder Beamten fallen hingegen dadurch auf, zu Lasten der Verständlichkeit möglichst viele Eventualitäten einzuschließen. Früher war das die Regel: „Auf Vorladen sämtlicher Gemeinde-Ausschußmitglieder erschienen von den 10 der geladenen 9 Ausschußmitglieder und wurde in fraglicher Angelegenheit nach reiflicher Überlegung der bestehenden Verhältnisse einstimmig beschlossen, um die bisher bestehenden Differenzen gütlich zu begleichen, es sei dem positiven Antrage der Gemeinde Ramerberg nach Beschluss vom 30. Mai 1891 stattzugeben, und soll die Brücke an der Stelle erbaut werden so selbe bisher stand, umsomehr als Fischer Josef, Müller in Bruck sich zur Beihilfe bereit erklärt und werden um späteren Streitigkeiten vorzubeugen, nachstehende Bedingungen festgesetzt ...“. All das in einem einzigen Satz. Dem folgen noch fünf „Bedingungen“, die alle „Auf Vorlesen unterzeichnet“ sind und man sich fragt, ob das damals wirklich verstanden worden ist, denn Lesen konnte nicht jeder.


Der Ton wurde schärfer, dem damaligen vermeintlich verbündeten Staatssekretär Erich Kiesl hielt der Bürgermeister dessen Aussage vor, dass er „mit denen“, gemeint war die Regierung von Oberbayern, „schon fertig werden würde“. Auch der damalige CSU-Landesvorsitzende Franz Josef Strauß sollte auf Kiesl „einwirken“. Dann startete Edling eine Petition an den Bayerischen Landtag. Nichts half, aber Edling gab trotzdem nicht auf. Im Juni strengten die Münchner Anwälte für die Gemeinde ein Normenkontrollverfahren beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof an. Im April 1981 war dann der Spuk vorbei, das Gericht entschied, dass ein Teil „der Rechtsverordnung .. zur Neugliederung der Gemeinden ... nichtig“ sei. Für die Wiedererlangung der Eigenständigkeit luden die Edlinger im Juli erst einmal zum „Gmoa-Fest“. Das Fest ist bis heute geblieben.

Grundsteuer-Kataster
Handgenähte Bindung, fein säuberliche Schrift mit Stempel, das Grundsteuer-Kataster macht allein optisch schon etwas her.



Zu finden sind im Archiv außerdem viele Pläne, darunter ein „Entwurf zum Schulhaus- Um- und Erweiterungsbau“ von 1920, ein „Kostenanschlag“ für den Bau der Attel-Brücke bei Bruckmühle von 1876 bis 1892, oder der Ebrachbrücken in Edling und bei Roßhart in der Zeit von 1878 bis 1909. Andere Dinge haben weniger einen Wert wegen des Inhalts, sondern vielmehr wegen des Schriftstücks an sich. So dem speckigen, an der Falz handgenähten „Auszug aus dem renovirten Grundsteuer-Kataster“ in schönster altdeutscher Schrift. Ein paar Seiten füllt auch der Bau der Edlinger Trinkwasserleitung in den vorigen Zwanziger Jahren. Jeder sollte natürlich bei der Wassergenossenschaft anschließen und nicht jeder beim Nachbarn. Festgehalten ist dazu eine Abschrift über eine Erklärung von Johann Fries und Franz Xaver Obermaier, „dass sie niemals etwas gegen die beabsichtigte Ortsgemeinde-Wasserleitung in irgend einer Form unternommen haben“ und dass es nicht stimme, dass man bei ihnen das Wasser billiger haben könne. Das Verfahren dauerte länger, sogar das Bayerische Landesamt für Wasserversorgung war damit noch befasst.

Plan zum Brückenbau.
Wie wurde früher die Brücke über die Ebrach gebaut? Der Plan gibt Antwort.


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