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Soyen Kraftwerk

Soyen -- Für ein Wohnhaus ist das Gebäude an der Soyener Seestraße zwischen See und der Straße zu klein, für eine Garage fehlt die Zufahrt. Als Schuppen schaut es schon fast zu vornehm aus. Dann bleiben nicht mehr viel Möglichkeiten, es ist ein Schleusenhaus. Viele gehen auf dem Gehsteig zigmal daran vorbei und der ein oder andere fragt sich: Was ist da drin?

Die unscheinbare Tür an der Seestraße.
Die unscheinbare Tür an der Seestraße.



Im Häuschen selber ist nicht allzuviel, aber in seinem Keller in zwölf Meter Tiefe dafür um so mehr. Dort unten fließt Wasser in einem Kanal vom See bis ins zwei Kilometer entfernte Kraftwerk nach Vorderleiten am Inn. Den Haager Kraftwerken gehört die gesamte Anlage, sie ist 90 Jahre alt. Geschäftsführer Georg Gantenhammer zeigt nicht ohne Stolz diese Technik, denn zum einen funktioniert das Kraftwerk seit dieser Zeit reibungslos und zum anderen war man bereits damals der Zeit voraus, weil dieser Strom umweltfreundlich entsteht.

 

Hinter der Tür ist es aufgeräumt.
Hinter der Tür ist es aufgeräumt. Ein Stück Ersatzrohr lagert hier, es wurde noch nie gebraucht.



Öffnet sich die Tür des Schleusenhauses, zeigt sich ein schlichter Holzboden, Geländer und ein Stück Ersatzrohr. Im Boden führt eine Leiter nach unten. Dort gibt ein Gitter den Blick auf ein großes Wasserrohr mit einer Absperrvorrichtung frei. Die stoppt den Wasserfluss vom See in den zwei Kilometer langen Stollen und legt ihn fast trocken. Auf dem Weg zum Kraftwerk gibt es noch mehr Absperrvorrichtungen. Die erste ist gleich am Wehr beim Seeufer und im weiteren Verlauf beim Kraftwerk selbst. Leider sieht man die eigentliche Besonderheit, den Stollen, von hier aus nicht. Der ist im Betrieb voller Wasser, also so gut wie immer. Eine Revision dieser Anlage ist alle zwei bis drei Jahre notwendig, etwa alle fünf bis acht Jahre wird der Stollen genau untersucht und ausgebessert. Dann ist er auch mal trocken. Der Bau des Stollens war eine Leistung, denn von beiden Seiten trafen die Arbeiter auf 30 Zentimeter genau aufeinander.

 

Der Schieber in zwölf Meter Tiefe stoppt die Wasserzufuhr.
Der Schieber in zwölf Meter Tiefe stoppt die Wasserzufuhr.



Bei 1,90 Meter Höhe und 1,40 Meter Breite kann man gut darin gehen, aber der Aufenthalt darin ist nicht ohne, weiß Georg Gantenhammer. Denn der Boden des Stollens hat zum Teil eine leichte Wellenform, so dass beim Ablassen des Wassers hier immer noch welches steht. Ist man mitten im Stollen und steht einem das Wasser bis zur Brust, kommt zuweilen ein beklemmentes Gefühl auf und verlangt selbst Arbeitern, die problemlos hohe Strommasten besteigen, einiges ab.

Auf seinem 2,1 Kilometer langen Weg in Richtung Vorderleiten passiert das Wasser ein Ausgleichsbecken, in das Wasser bei Bedarf entweichen kann. Kurz darauf geht es durch ein Fallrohr über 50 Meter hinab. Bei einer Druckmehrung von einem Bar alle zehn Meter kommen somit mehr als fünf Bar bei den drei Turbinen an. Anschließend fließt das Wasser in den Inn. Erzeugt werden bis zu 900 Kilowatt, im Jahr macht das etwa drei Millionen Kilowatt, die Anlage läuft nicht durchgehend. Sie wird zu Spitzenzeiten eingeschaltet um den Bedarf vor allem mittags und abends zu decken. Vom Pegel her seien längere Betriebszeiten möglich, man dürfe bis zu vier Meter den Wasserstand am See senken. Aber, erinnert sich der Geschäftsführer, das habe man einmal gemacht. Danach hatten die Badegäste einen ziemlich breiten Strand, über den sie sich beschwerten. Seitdem bewegt sich der Pegel am Wehr zwischen drei bis vier Meter, also etwa einen Meter Absenkung. Die Steuerung erfolgt seit Jahren vollautomatisch.

 

Das Wehr am Soyensee.
Das Wehr am Soyensee, erklärte Geschäftsführer Georg Gantenhammer, hat eine Absperrvorrichtung und eine Pegelmessgerät.


Übrigens könnte man dieses Kraftwerk heute nicht mehr bauen, bedauert Gantenhammer. Alleine für den Stollen wären die Lohnkosten viel zu hoch und stünden in keinem Verhältnis zum Stromertrag. Regelmäßig besichtigen heute vor allem Schulkinder dieses Kraftwerk.

 

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