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Gars Bierkeller

Diese unscheinbare Tür führt in den Berg.
Diese unscheinbare Tür führt in den Berg.

Gars – Dank eines freundlichen Tipps sind wir auf eine unscheinbare Tür in Gars aufmerksam geworden. Fährt man in Richtung Höfen, befindet sie sich in einem betonierten Vorsprung eines Hangs. Weiß man es nicht, kommt man nur schwer darauf, was sich dahinter verbirgt.

Vor langer Zeit lagerten hier bei konstanten
Temperaturen Bierfässer.
Vor langer Zeit lagerten hier bei konstanten Temperaturen Bierfässer.

Die Tür mit ihrem Schließmechanismus ist alt, all das ist seit längerem nicht mehr benutzt. Besitzer Werner Bührle hat das Anwesen, dazu gehört vor allem sein Haus, 1989 gekauft. Aber selbst da ist hinter dieser Tür im Berg schon lange nichts mehr passiert. „Es war halt mit dabei“, sagt er vor Ort. Das Haus, oder besser die Haushälfte, die er mit seiner Familie bewohnt, war früher eine „Faß Remiße“, ein Gebäude, in dem rückläufiges Leergut gelagert und instandgesetzt wurde. Davon zeugt eine Tafel am Haus, auf der die Jahreszahl 1871 steht.

Stalaktiten entstehen.
Stalaktiten entstehen.

Die Tür ist schnell offen, gleich dahinter schließen sich eine kleinere und eine größere Vorkammer an. Darin liegt nichts Besonderes, außer dem, was sich in Jahrzehnten eben so ansammelt. Künstliches Licht gibt es keines, ohne Lampe ist es erst einmal stockdunkel. Aber man kann fühlen, dass sich beim Weitergehen in diesem Berg plötzlich etwas ändert. Trotz der Minusgrade draußen wird es plötzlich schon fast angenehm wärmer. Die Temperatur steigt, es sind geschätzte sieben Grad, die auch im Sommer annähernd gehalten werden. Ohne dass man es sieht, steht man in einem etwa 30 Meter langen und vielleicht viereinhalb Meter hohen Halle, also einen richtig großen Erdkeller. Der Schein der Taschenlampe dringt kaum bis ans Ende vor allem deshalb, weil die Luftfeuchtigkeit recht hoch ist. Schaut man nach oben, fällt die als Bogen geformte Decke auf, die wegen der Ziegel eigentlich rot sein müsste. Weiß und gelb überwiegen wegen des Kalks und der Ablagerungen. Denn ständig tropft es irgendwo herunter. Mehr noch, ein paar meterlange Stalaktiten hängen bereits von der Decke herab. Sogar dessen Gegenstück am Boden, den von unten wachsenden Stalagmit gibt es schon. Ganz am Ende des Erdkellers führt ein schmaler Schacht nach oben. Etwas Tageslicht dringt ein und vor allem noch mehr Wasser.

Das Gegenstück am Boden, der Stalagmit.
Das Gegenstück am Boden, der Stalagmit.

Lückenlos lässt sich die Geschichte dieses Erdkellers nicht mehr in Erfahrung bringen. Das Wichtigste haben die Baumeister aber ganz am Ende mit einer Tafel in der Wand verewigt: „Durch G. Gaßner, Brauer in Kloster Au neu erbaut im Jahr 1869. Gott hab Danck.“ Selbst als die langjährige Nachbarin noch ein Kind war, lagerte hier schon kein Bier mehr. Sie erinnert sich an den Krieg, als das ein Luftschutzkeller war oder dass einmal jemand wegen der hohen Luftfeuchtigkeit Champignons darin gezüchtet hat, oder dass es einmal zum Kloster Gars gehört hat. Dort ist aber nichts mehr vorhanden, versichert deren Bibliothekar Franz Wenhardt, außer eben dass sich hier einst ein Lagerkeller der Brauerei Gaßner aus Au befand. Auch im Kloster Au ist nichts mehr dazu in Erfahrung zu bringen.

Die Tafel des Erbauers.
Die Tafel des Erbauers.


Nachtrag

Weitere Details zum Garser Erdkeller wurden aufgrund dieses Berichtes in der Wasserburger Zeitung bekannt. Das wichtigste vorneweg: Es gibt noch einen zweiten großen Erdkeller, ganz in der Nähe. Der ist aber nicht ganz so groß, hatte aber den selben Zweck, nämlich im Sommer Bier zu kühlen. Diese Hinweise kamen von Dina Aniszewski-Ametsbichler, deren Urgroßvater Georg Gaßner den oberen großen Erdkeller (siehe oben) gebaut hat.

1856 habe der damalige Vater das Anwesen für seinen Sohn, der auch Georg hieß, gekauft. Leider hat der Erdkeller nicht funktioniert, die Temperatur darin ist stets zu hoch, so dass hineingeschafftes Eis das Bier im Sommer nicht kühlen konnte. Gaßner hatte sich leider verkalkuliert, denn die Gegebenheiten waren nicht die wie in Kloster Au, wo es auch in einem Hang einen Erdkeller dieser Art gibt. Ein neuer musste her. Der entstand 1882, nicht ganz so groß, unter dem Haus südlich der heutigen Tankstelle. Der war dann auch kühl genug, die Kastanien des Biergartens sorgten für genügend Schatten und dafür dass sich das Haus im Sommer nicht zu sehr aufheizt.

Diese Gastwirtschaft ist „eigentlich immer verpachtet gewesen“, erinnert sich die heutige und langjährige Wirtin vom heutigen Gasthaus Ametsbichler, das schräg gegenüber liegt. Zusammen mit ihrem 2009 verstorbenen Mann Gregor führt sie diese Wirtschaft mit Kegelbahn zusammen mit dem damalige Kino über Jahrzehnte bis heute und hat dabei einiges erlebt. Einmal sei sogar der Dachstuhl abgebrannt, „wo unten im Kino die Leute saßen“. 1990 lief der letzte Film, heute ist das ein Saal. Genutzt wird die Kegelbahn, geöffnet ist die Wirtschaft abends von Mittwoch bis Samstag und sonntags zum Frühschoppen.

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